
Deutschland: Ernte 2026 katastrophal

Das Bundeslandwirtschaftsministerium legte heute die Erntebilanz 2026 vor, und sie sieht schlecht aus. Im Süden und Südwesten ist dafür vor allem die Trockenheit verantwortlich.
Bei Winterweizen wird die Erntemenge um 10,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, bei sonstigem Getreide (ohne Mais) um 7,3 Prozent und bei Winterraps um 11,5 Prozent. Beim Winterraps sind dafür allerdings vor allem Insektenschäden verantwortlich. Besonders schlimm war die Situation in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Erträge um 25 Prozent unter dem Durchschnitt liegen. Der Futtermais ist im Süden und Südwesten vielerorts verkümmert und bildete teilweise keine Kolben. Beim Heu gab es nur einen Schnitt. Der Heupreis stieg bereits um 17 Prozent.

Die Apfelernte liegt um 18 Prozent unter dem Vorjahr. Zumindest Pflaumen, Zwetschgen und Kirschen wuchsen jedoch besser als üblich, um 11 beziehungsweise 9 Prozent. Der Hopfenertrag sank um 22 Prozent. Die Zahlen für Wein und Kartoffeln liegen noch nicht vor.
Auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts verwies Landwirtschaftsminister Alois Rainer auf ein weiteres ernstes Problem: Jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb stecke in finanziellen Schwierigkeiten. Dazu dürften die rasant gestiegenen Kosten für Diesel und Dünger beigetragen haben. Die Preise für Dünger sind mit den Gaspreisen gestiegen. Hinzu kommen bei Düngern wie Harnstoff zusätzliche CO₂-Abgaben, die der EU zu verdanken sind. Bei einem Preis von bis zu 550 Euro pro Tonne Harnstoff entfallen etwa 50 Euro auf den CO₂-Aufschlag.
Schon im August war die Forderung zu hören, wegen der Dürre eine nationale Notlage auszurufen, wie das 2018 geschehen war. Damals hatte der Bund Zuschüsse von 170 Millionen Euro bereitgestellt, die von den Bundesländern noch einmal um denselben Betrag erhöht wurden.
Doch das Landwirtschaftsministerium lehnte diese Maßnahme ab, womöglich auch, weil die erforderlichen Mittel von Finanzminister Lars Klingbeil verweigert worden wären (schließlich muss Geld in die Ukraine fließen). Stattdessen soll nun ein Hilfspaket geschnürt werden, das vor allem aus vergünstigten Krediten besteht, für die bisher zusätzliche 300 Millionen Euro vorgesehen sind. 60 Millionen Euro soll es als Soforthilfen für Höfe geben, die stark unter den Dünger- und Dieselpreisen leiden. Im kommenden Jahr werden zudem die Direktzahlungen um den Betrag erhöht, den die EU zulässt.
Geradezu humorvoll ist in der Presseerklärung des BMLEH zu den Plänen, die Landwirtschaft auf eine sicherere Basis zu stellen, folgender Satz: "Das BMLEH unterstützt das Ziel der Europäischen Kommission, die heimische Produktion von Düngemitteln zu stärken, um so die Abhängigkeit von Importen zu verringern."
Bis zum Frühjahr 2022 gab es diese heimische Produktion. Mit den Russland-Sanktionen und der Explosion der Gaspreise ist auch die Düngerproduktion innerhalb der EU zusammengebrochen. Zum einen muss der Rohstoff Ammoniak, von dem 2021 noch mindestens 2,5 Millionen Tonnen in Deutschland produziert wurden, inzwischen importiert werden, weil nur noch ein Teil der Anlagen arbeitet und die Produktion auf eine Million Tonnen gesunken ist. Zum anderen ist auch der nächste Produktionsschritt energieintensiv. Obwohl Deutschland theoretisch 75 Prozent des benötigten Kunstdüngers selbst produzieren könnte, werden daher inzwischen große Mengen importiert. Die Düngerimporte aus einem Lieferland haben sich dabei mehr als verzehnfacht: aus Russland.
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